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<title>Von den Alten gelernt...</title>
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<description>Der Lebenserfahrungs-Blogg...</description>
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<title>Hier geht es weiter</title>
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<description><![CDATA[<a href="http://unserveedel.wordpress.com/2008/11/11/das-casting-zur-serie-lauft-deine-stimme-zahlt/">Hier gehts weiter</a> <br /><br /> ]]></description>
<pubDate>Fri, 14 Nov 2008 09:10:36 +0100</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland ... berufstätig wird</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=51</link>
<description><![CDATA[<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/g2_blaumann.jpg" alt="" />Marcell Burmeister (20) ist Anlagemechaniker. Hier erzählt er von seinem ersten Arbeitstag. Und von seinem Traum, den ersten eigenen Betrieb zu gründen. <br /><br /> „Als ich zur Arbeit gekommen bin, hatten die Kollegen ein Frühstück vorbereitet. Ich und die drei Anderen, die an diesem Donnerstag ihren ersten richtigen Arbeitstag nach der Gesellenprüfung hatten, haben sich natürlich gefreut. Die Kollegen sind alle älter. Wir drei sind die Jüngsten, I-Dötzchen. Klar, wird man auch mal was geärgert, aber im Großen und Ganzen sind die Kollegen froh, dass wir jungen gut mit anpacken. <br />
<br />
Mein erster Einsatz war auch direkt interessant. In einem Einfamilienhaus roch es nach Gas. Haben die am Telefon gesagt. Wir sind dann mit Signallicht, Blaulicht darf ja nur die Polizei haben, dahingerast. In jedem Entstörfahrzeug sitzen Zwei. Meistens ein Anlagemechaniker und ein Rohrnetztechniker. Als wir ankamen waren die Leute sehr aufgeregt und haben uns schon vor ihrem Haus in Empfang genommen. Das waren beides Rentner. <br />
<br />
In der Ausbildung hatten wir eine Unterrichtseinheit zu „Gesprächsführung“. Man muss natürlich auf die Menschen eingehen. Wenn man sagt, ’Ja, ja wird schon nicht so schlimm sein, lassen sie mich mal gucken’ fühlen die sich nicht ernst genommen. Deshalb sollte man immer Verständnis zeigen. Aber man muss auch aufpassen, dass die Leute nicht zu viel erzählen. Denn wenn wirklich was passiert ist und man die ganze Zeit mit den Leuten redet, anstatt die Austrittsstelle zu suchen, kann das gefährlich sein. Die älteren Kollegen haben keinen Unterricht an der Berufsschule in „Gesprächsführung“ und so gehabt. Das merkt man auch. Vor allem die, die schon lange dabei sind, sind manchmal etwas ruppig. <br />
<br />
Schon als ich auf der Schule war, hat mir handwerken Spaß gemacht. Ich wollte immer richtig was schaffen. Ich hatte mein Praktikum bei einer Sanitär-Firma gemacht. Nach dem Realschulabschluss musste ich mir dann halt was suchen. Und dann hab ich mich beworben und den Gesellenvertrag auch gekriegt. Die Ausbildung hat dreieinhalb Jahre gedauert. Die Meisterprüfung will ich natürlich schon machen. Irgendwann einen eigenen Betrieb zu haben wäre schon ein Traum. Meine Berufsbezeichnung ist jetzt Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Früher hieß das Installateur für Gas und Wasser. Und wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, sage ich auch immer Installateur. Dann weiß jeder ungefähr Bescheid. <br />
<br />
Hauptsächlich kontrollieren wir Anlagen für die Gas- und Trinkwasserversorgung und auch Rohrleitungen für Gas und chemische Flüssigkeiten. Schweißen, Löten und  montieren gehört auch dazu. Aber meistens machen wir schon Einsätze. Wenn man was repariert und danach funktioniert es wieder, das ist ein gutes Gefühl. Meistens sind die Leute auch dankbar. Klar, wenn dir der Keller mit Wasser zuläuft und dir jemand hilft, dann ist man einfach froh. Aber es gibt eben auch Leute, die einem die ganze Zeit über die Schulter gucken und manche geben sogar <br />
Kommentare zu deiner Arbeit ab. Das muss man einfach ignorieren. Das ist aber auch selten. <br />
<br />
Bei den alten Leuten war übrigens nur die Therme etwas fehlerhaft. Wir haben eine neue Dichtung eingesetzt und alles war okay. Aber besser wir kommen ein Mal zu oft, als ein Mal zu wenig.“<br />
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<pubDate>Wed, 27 Jun 2007 18:23:28 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Leben mit Frau Sperr (II)</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=50</link>
<description><![CDATA[<b>Eine Frau die weiß, wie recyceln geht </b><br />
 <br />
Mein Müll war bei Frau Sperr stets in guten Händen. Oh nein, gezwungen habe ich sie nicht, meine vergilbten Handtücher oder gebrochenen Kerzen aus der Tonne zu fischen. Die gute Frau Sperr war ganz alleine darauf gekommen, meiner Mülltonne in nächtlichen Aktionen einen Besuch abzustatten. Nicht, dass sie Handschuhe getragen hätte, um Spuren zu verwischen oder einen schwarzen Latex-Anzug, um ungesehen zu fliehen. Sie ließ anständig das Licht vor der Wohnung brennen und die Straßenlaternen taten ihr Übriges. Ein Blick aus meinem Küchenfenster reichte, um sie auf frischer Tat zu ertappen.<br />
 <br /><br /> Kurzzeitig peinlich berührt, hielt sie mir dann das Tuch hin. „Das ist doch viel zu schön, um es wegzuwerfen“, sagte sie säuselnd. Frau Sperr schien tatsächlich zu befürchten, ich würde ihr, tosend vor Wut, den Lumpen wieder entreißen. Stattdessen aber zeigte ich mich nachbarschaftlich-verständnisvoll. Sie hatte ja Recht, so ein schöner vergilbter alter Fetzen würde sicher großartig in ihre Küche passen.<br />
<br />
Seitdem traf ich sie so manches Mal auch am Nachmittag über meiner Tonne gebeugt, auf Schnäppchenjagd. Die umständliche Entsorgung antiker Anrufbeantworter blieb mir von da an auch erspart. Frau Sperr hatte für einfach alles eine Verwendung, und alles erschien ihr „einfach zu schön, um es wegzuwerfen“. Also installierte ich ihr das 20 Jahre alte Gerät, und verbrachte dann noch zwei Stunden damit, meiner alten Dame die technische Handhabung zu erklären. Besprechen musste ich den Anrufbeantworter allerdings selbst, denn so richtig geheuer war ihr die neumodische Technik dann doch nicht.<br />
<br />
Wer hätte ahnen können, dass Frau Sperr sich dafür erkenntlich zeigen würde. Eine Woche später läutete mein Telefon und Frau Sperr war wieder einmal dran. „Effi, ich komm schnell hoch“, sagte sie. Eine Antwort wartete sie grundsätzlich nicht ab. Zehn Minuten später läutete es schon an der Tür. Frau Sperr hatte ein Geschenk für mich. Sie hielt mir freudestrahlend eine schicke Plastiktüte entgegen. Ich war ein wenig irritiert, dachte ich an das letzte Geschenk: eine kleine Katzenfamilie aus Keramik. Aber dieses Mal war ich tatsächlich positiv überrascht. Ein kleines schwarzes Neglige aus Seide, genau meine Größe. Und ich muss zugeben, dass mir das schwarze Kleidchen auch wirklich gefiel. „Vielen Dank Frau Sperr“, sagte ich. „Ja Effi, so junge Menschen wie du, die mögen doch so was Raffiniertes“, sie zwinkerte mir vielsagend zu. Noch bevor ich das kleine Schwarze auf den Stuhl legen konnte, fügte sie schnell hinzu. „Das hab ich aus der Tonne von der Frau Rieder, die ist doch letzte Woche gestorben, und ihre Tochter hat das einfach weggeworfen“.<br />
<br />
In dem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher, als eine weitere kleine Katzenfamilie aus Keramik. „Wie bitte Frau Sperr“, fragte ich. „Die ist doch hoffentlich nicht darin gestorben?“ Bedauerlicherweise wusste Frau Sperr keine eindeutige Antwort. Mutmaßte aber, dass dem wohl nicht so sei. Ich hätte ihr das Todes- Neglige am liebten wieder mitgeben, aber Frau Sperr war zu schnell wieder aus meiner Wohnung verschwunden. Jetzt stand ich da und wollte das Ding weder in meiner Wohnung, geschweige denn am Körper haben. Ich beschloss es also zurück in die Tüte zu stecken und auf dem Speicher zu verstauen.<br />
<br />
Wer hätte ahnen können, dass Frau Sperr auch dort auf Schnäppchensuche geht… <br />
<br />
<a href="http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=14">Leben mit Frau Sperr (1)</a><br />
]]></description>
<pubDate>Wed, 27 Jun 2007 09:55:12 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland... ...krank wird</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=49</link>
<description><![CDATA[<br />
<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/gesprach.jpg" alt="" />Das Tagesgeschäft eines Hausarztes ist nicht sonderlich spektakulär. Es gibt die Azubis, die an einer furchtbaren Erkältung leiden und deshalb dringend einen Krankenschein für ein verlängertes Wochenende brauchen. Es gibt die Rentner, die wöchentlich die Sprechstunde besuchen, um die neuesten Entwicklungen ihrer Krankheiten darzustellen. Eine Gruppe für sich sind auch die Patienten mit Bluthochdruck, die einmal im Quartal vorbeikommen und sich ihr Medikament verschreiben lassen.  <br /><br /> „Herr Weiler, was fehlt uns denn“, meine Mutter steht auf und schüttelt dem Angesprochenem die Hand. Am verschwitzten Händedruck bemerkt sie, dass der rundliche Mittfünziger mehr braucht als nur ein Rezept für Blutdrucktabletten. „Ich weiß nicht, Frau Doktor, meine Frau schickt mich. Sie macht sich Sorgen.“ Frau Weiler, ihres Zeichen Friseurmeisterin, ist eine resolute Geschäftsfrau. Drei Salons hat sie eröffnet, seit mehr als 20 Jahren macht sie meiner Mutter die Haare. Im Viertel ist das Ehepaar bekannt und gut gelitten. Beide gehen nur selten zum Arzt. Warum auch?<br />
Heute ist Herr Weiler krank. Das erkennt man auch ohne Medizinstudium. Die Haut ist fahl, an manchen Stellen sogar gelblich. Er hat Fieber und Schmerzen im Brustkorb. Einige Blutwerte sind erhöht. Er atmet schwer. Mit diesen Symptomen kann man keine sichere Diagnose machen, meine Mutter entscheidet sich für eine Einweisung. „Aber Frau Doktor, ich muss doch den Garten umgraben“, protestiert der Frührentner. Der Einwand entlockt meiner Mutter nur ein müdes Lächeln. Noch am Nachmittag bezieht er ein steriles Krankenhauszimmer.  <br />
<br />
Wenn man eine Arztpraxis über viele Jahre führt, stellt sich unweigerlich Routine ein. Zu dieser Routine gehört auch, dass der Arzt angemessen mit dem Tod umgeht. Ärzte müssen auf Distanz bleiben, dürfen dabei aber nicht kalt sein. Sie müssen den Angehörigen Trost spenden, ohne dabei selbst in einen Strudel von Emotionen zu versinken. Sonst geht der Arzt an den Patientenschicksalen kaputt. Aber es gibt Fälle, in denen kein Arzt die professionelle Distanz zur Situation wahren kann.<br />
<br />
„Anja, du hast dich Ewigkeiten nicht mehr gemeldet“, meine Mutter steht auf und schüttelt der Angesprochenen die Hand. Frau Dr. Hirschbacher bemerkt ironisch, dass sie nicht die einzige ist, die sich lange nicht mehr gemeldet hat. Die schlanke, hochgewachsene Frau ist Oberärztin der psychiatrischen Klinik. Sie hat zwei Kinder großgezogen ohne ihre Karriere auch nur für einen Moment aus den Augen zu lassen. An der Uni waren meine Mutter und sie in der gleichen Seminargruppe. Sie geht nicht oft zum Arzt. Warum auch? Wenn die Oberärztin Rückenschmerzen hat, kann sie sich selbst Medikamente verschreiben, die einem die Wirbelsäule wegblasen.<br />
Heute ist Frau Dr. Hirschbacher krank. Gestern kam sie aus einem zweiwöchigen Frankreichurlaub zurück. Bereits an der Cote d´Azur hat sie sich mit massiven Magenschmerzen geplagt. Der Blutdruck ist niedrig, ansonsten gibt es keine weiteren Auffälligkeiten. „Anja, ich habe da ein schlechtes Gefühl. Am liebsten würde ich das stationär abklären lassen.“ Aber eher geht ein Kamel durch ein Nadelör als ein Arzt ins Krankenhaus. Meine Mutter beißt auf Granit.<br />
Zwei Wochen später lässt sich Frau Dr. Hirschbacher selbst einweisen. Die erfolgreiche Frau erträgt die Schmerzen nicht mehr.<br />
<br />
In der Arztpraxis meiner Mutter sterben jedes Jahr zwischen 10 und 15 Patienten. Viele im Sommer. Die alten Leute vergessen regelmäßig zu trinken, der Kreislauf bricht zusammen, das Herz verweigert seinen Dienst. Meine Mutter geht nie auf die Beerdigungen. Das gehört nicht zu ihrer Arbeit. Die endet mit dem Totenschein. Eine Trauerkarte schreibt sie aber immer persönlich. <br />
<br />
Die Kollegen im Krankenhaus diagnostizierten bei Frau Dr. Hirschbacher Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Heilung ausgeschlossen. Metastasen verursachten die quälenden Magenschmerzen. Die Verbreitung der Tumorzellen war teilweise davon abhängig, auf welcher Seite die Oberärztin schlief. Denn die bösartigen Zellen fielen in den Darm hinein und siedelten sich in den Darmschlingen an. Der Krebs war unaufhaltsam. Die Therapie hatte die Ziele Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität. <br />
Die Ärzte entfernten die Eierstöcke operativ. Die Chemotherapie schwächte den ganzen Körper, auch die lokale Bestrahlung blieb nicht ohne Nebenwirkungen. Frau Dr. Hirschbacher verlor zusehends an Gewicht, der Krebs fraß sie auf. In ihren letzten Tagen trug sie ein Toupet.<br />
<br />
Die Kollegen im Krankenhaus konnten bei Herrn Weiler keine eindeutige Diagnose stellen. Sie schoben ihn von Station zu Station, während sein Zustand immer kritischer wurde. Einziger Anhaltspunkt: Erhöhte Leberwerte. Der Frührentner verlor massiv an Gewicht. Die Ärzte behandelten ihn mit Antibiotika und Infusionen. Nach seinem Tod durch Leberversagen wurde eine Obduktion angeordnet.<br />
<br />
Meine Mutter war auf beiden Beerdigungen. Obwohl man das als Arzt nicht machen soll. Das schadet der professionellen Distanz. <br />
<br />
<br />
]]></description>
<pubDate>Tue, 26 Jun 2007 18:37:17 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland... ...zweifelt</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=48</link>
<description><![CDATA[<b>Gewidmet all jenen, die sitzen bleiben</b><br />
<br />
<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/zweifel.jpg" alt="" />Lange Zeit glaubte ich, dass Rory Gilmore von den Gilmore Girls unschlagbar ist. Heute weiß ich: Sie muss ihr Wissen gegoogelt haben. Ein Text, gewidmet all jenen, die in den Prüfungen sitzen bleiben, wenn man selbst aufsteht. Weil man keine Ahnung hat.<br />
<br />
 <br /><br /> Was wir sind? „<a href="http://www.zeit.de/2005/14/Titel_2fPraktikant_14">Generation Praktikum</a>“, „Generation kinderlos“ und jetzt sogar noch „Generation <a href="http://www.neon.de">Neon</a>“. Was das heißt? Wir finden alle keine Jobs, werden aber ohnehin bald aussterben und wie sich das anfühlt, können wir in der Neon nachlesen. Danke, dass da endlich jemand ist, der uns sagt, was uns den Kopf zerbricht. Wir wären wahrscheinlich nie selbst darauf gekommen.<br />
<br />
Klara hat das ganz allein geschafft. Klara studiert Jura und letzten Samstag hat sie sich einfach aus ihrer Strafrecht-Prüfung geschlichen. Die war einfach zu schwer, sagt sie. „Macht nix“, versuchte ich sie aufzubauen. Doch wir beide wissen: Es wird immer Leute geben, die Klausuren auf Anhieb bestehen. Die, die sitzen bleiben. Sofort heißt es: „Ist das denn dann überhaupt das richtige für mich? Wenn ich nicht unter den besten 10 meiner 1.500 Kommilitonen bin, werde ich Barbara Salesch nie im Krankheitsfall vertreten können“. <br />
<br />
Und was bleibt, ist ein Hechtsprung in einen Sumpf aus Zweifeln. Wer kann es ihr verübeln. <br />
<br />
Mein persönlicher Hass-Feind-Nr.1 ist Rory Gilmore, aus der VOX-Serie „Gilmore Girls“. Hübsch, witzig, Harvard-Studentin und Expertin auf dem Gebiet der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Und das alles mit gefühlten 16 Jahren. Und Immer trägt sie ein Buch mit sich herum. Selbst bei ihrem Abschlussball lugte ein Henry-James-Knüller aus ihrer Tasche. <br />
<br />
<img style="float: right; margin-left: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/Aufwaerts.jpg" alt="" />Ich habe mich einmal an Henry James versucht, doch wie auch schon bei Jane Austen, bin ich eingeschlafen. Ich schaffte gerade mal 50 Seiten von „Stolz und Vorurteil“, ehe die Buchstaben vor meinen Augen zu tanzen begannen, und ich wie Homer Simpson nur noch einen Esel im Kopf grasen sah. Und meine größte Konkurrentin war seitdem eine fiktive Figur aus einer Serie. Wie erbärmlich. Mit meinem Vertrauten Jochen habe ich meine Lebenskrise besprochen. Jochen hat lange schweigend zugehört, während ich, stress-rauchend, am anderen Ende der Leitung meine Existenz in Frage stellte. Dann hat er sich geräuspert und in einem Ton, wie nur ein Pädagogik-Student aus München es fertig bringt, geantwortet: „Ja und hast du sie denn jemals in einem der Bücher lesen sehen?“ Dann wurde es still. Ich dachte nach. Dieses Mal sah ich keinen Esel in meinem Kopf, sondern vielmehr eine naseweise Rory Gilmore, die mir all die Jahre völlig zu Unrecht Magenschmerzen bereitet hatte. Nein, ich hatte sie während des stündlichen Fernseh-Halli-Gallis nie auch nur einmal eine Klassiker-Seite lesen gesehen. Und erst recht nicht auf ihrem Abschlussball. Sie muss ihr Wissen wohl gegoogelt haben. „Siehst du“, sagte  Jochen, „alles halb so wild“. Damit waren meine Selbstzweifel überwunden. Und wenn Rory später wieder über ein James-Werk philosophierte, konnte ich nur noch hämisch grinsen. <br />
<br />
Vielleicht sollte Klara auch mit Jochen telefonieren. Und sollte selbst er nicht weiterhelfen können, dann hat bestimmt die Neon einige Ratschläge parat. <br />
<br />
<i>Eva</i><br />
]]></description>
<pubDate>Tue, 26 Jun 2007 07:02:20 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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</item>
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<title>Wie man in Deutschland... ...stirbt</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=46</link>
<description><![CDATA[<b>Geplant</b><br />
<TABLE BORDER=1 BGCOLOR="#000000"><br />
<TR><TD><FONT COLOR="#EEEEEE">Sie hatte alles ganz genau geplant. Alleine. Bis ins letzte Detail. Weil sie nichts dem Zufall überlassen wollte. Hat mich ausgeschlossen, mich zurück gelassen. Verlassen – für immer. Ohne eine Erklärung. Ohne ein Wort. Kein Abschied.<br />
</FONT></TD></TR></TABLE> <br /><br /> „Mama, geht es dir nicht gut? Ist etwas passiert?“ – Ich versuche, ruhig zu sprechen, meine Stimme zittert trotzdem. Das Schweigen am anderen Ende der Leitung ist so groß, dass ich es spüren kann. Es fühlt sich traurig an. Dunkel und schwer. In mir wird das leise, panische Gefühl lauter. - „Mama, was ist los?“, ich schreie fast. Ich versuche flach in den Bauch zu atmen. Komme aber nicht weit, mein Hals ist zu eng.<br />
<br />
Sie wollte eigentlich ihr Auto reparieren lassen, hatte sich bei ihrem Sohn dafür noch extra Geld geliehen. Sie hat sich auf meinen Besuch gefreut. Immer wieder hat sie mir das gesagt. Hat mich mit den immer selben Fragen genervt: „Soll ich wieder Maultaschen machen?“ Immer wieder dieselben Fragen: „Bist du eigentlich noch Vegetarierin? Fisch isst du aber schon, oder? Alles andere wäre ja auch ungesund!“. Es sei das größte Weihnachtsgeschenk, das ich ihr machen könnte, mein Besuch. „Nächsten Freitag hole ich dich in Stuttgart ab. Acht nach Sechs, sagtest du? Vielleicht gehen wir dann noch in die Staatsgalerie?“ – Mein größter Wunsch? Mir diese Fragen noch tausend Mal anhören zu müssen. Und mindestens noch tausend Mal die selben Antworten geben zu müssen.<br />
<br />
„Oma ist gestorben“, Mamas Worte pressen sich in den Hörer. – „Nein“, ich glaube meinen Ohren nicht. – „Die Polizei war gerade da. Sie wurde tot in ihrer Wohnung gefunden.“ - Mamas Stimme ist jetzt ganz leise. Weit entfernt. – Wieso weiß die Polizei in Bielefeld, dass Oma tot ist? Oma wohnt doch in Stuttgart! Wieso wird Mama benachrichtigt und nicht mein Vater? Und wieso nicht ich?<br />
<br />
Nachdem sie meinen Vater wegen der Autoreparatur angerufen hatte, war die Putzfrau an der Reihe. <i>Nein, nein, die Wohnung sieht noch gut aus. Es reicht voll und ganz, wenn Sie dann erst wieder am Donnerstag zum Putzen kommen! Aber bringen Sie einen Schlüssel mit, es kann sein, dass ich beim Einkaufen bin.</i> Und weil sie dienstags immer mit ihrer Freundin in die Sauna ging, musste auch sie angerufen werden. <i>Nein, morgen kann ich leider nicht mit in die Sauna kommen. Ich habe nachmittags noch einen Termin, da wird mir das zeitlich zu eng. Nächste Woche aber wieder!</i> – Sie wusste, dass es nächste Woche nicht mehr geben würde.<br />
<br />
„Woran ist sie gestorben?“, ich kann mir das nicht erklären. Man stirbt doch nicht so einfach! Und wieso hat die Polizei sie gefunden? - Da ist wieder dieses quälende Schweigen am anderen Ende der Leitung. Es weint. „Sie - hat - sich - umgebracht“, als täten sie so weniger weh, presst Mama die Worte einzeln durch den Hörer.<br />
<br />
Donnerstag morgen kam die Putzfrau. Sie hat gesehen, wie Oma da hing. Tot. <i>Wenn es nicht geklappt hätte, das wäre das Schlimmste gewesen. Ich wollte nicht zurückgeholt werden.</i><br />
<br />
<br />
]]></description>
<pubDate>Mon, 25 Jun 2007 09:55:52 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland ... heiratet</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=45</link>
<description><![CDATA[<img src="http://data.blogg.de/1101567/images/brautpaar.jpg" alt="" /><br />
<br />
Karim und Anja haben im März geheiratet. <br />
Seither haben sie jeden Tag Sorge, ein Beamter könnte vor ihrer Haustür stehen.<br />
 <br /><br /> Schön sind sie geworden, die Hochzeitsfotos. Einmal Anja und Karim zusammen vor dem Standesamt, dann beim Unterschreiben der Heiratsurkunde, beim Anstecken der Ringe und viele Bilder mit Verwandten und Freunden. Und noch eines auf dem Karim vor Anja kniet, ihre Hände hält und sich beide in die Augen schauen. Das Foto finden die beiden im Nachhinein dann doch peinlich, zu gestellt. Aber alle Brautpaare machen so ein Foto, hatte der Fotograf die beiden an ihrem Hochzeitstag überredet.<br />
<br />
Auf den Fotos sieht man nicht, dass das weiße ärmellose Kleid mit dem roten Tüll am Rock unter den Armen zwickte und nicht richtig saß. Dass die Ringe nur vergoldet sind, merkt auf den ersten Blick nicht einmal ein Juwelier. Trotzdem ist Anja traurig über diese Kleinigkeiten. „Wenn ich an unsere Hochzeit denke, dann denke ich an den Stress den wir vorher hatten. Und, dass wir uns eigentlich nicht leisten konnten zu heiraten“. Dennoch sollte es eine „richtige“ Hochzeit sein, kein kurzer formeller Besuch beim Standesamt. „Man heiratet schließlich nur einmal im Leben“, sagt Anja.<br />
<br />
Am 6. Februar hatte Karim den Bescheid bekommen, dass seine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland nicht verlängert wird. Anja war geschockt. Ihre große Liebe sollte plötzlich zurück nach Marokko. Sechs Jahre sind die beiden zusammen. Kennen gelernt haben sie sich auf einer Party. „Liebe auf den ersten Blick war es damals nicht“, erzählt die 21-Jährige. Sie habe Karim nach der Party noch mehrmals getroffen und  sich dann irgendwann in ihn verliebt.<br />
<br />
Schnell war klar, dass es nur eine Möglichkeit gab, damit Karim in Deutschland bleiben kann: Eine Heirat bevor die Aufenthaltsgenehmigung abläuft. „Lange überlegt haben wir nicht. Wir wollten zusammenbleiben und da gab es keine andere Möglichkeit.“ Mit Karim nach Marokko zu gehen konnte sie sich nicht vorstellen. Auch der 21-Jährige wollte nicht dorthin zurück, weil er für sich dort keine Zukunft sieht. Sein Vater ist Fischer und fährt jeden morgen mit einem kleinen Boot aufs Meer. Das Geld, das er mit dem Verkauf der Fische verdient, reicht kaum um seine Frau und Karims vier jüngere Geschwister zu ernähren.<br />
Geheiratet haben Anja und Karim am 23. März Die Feier nach dem Standesamt war im Gemeindehaus mit Verwandten und den engsten Freunden. Alles musste schnell organisiert werden und durfte nicht teuer sein. <br />
<br />
Doch mit der Hochzeit entstanden neue Schwierigkeiten. Ein Ausländer, der kurz vor der Ausweisung steht, heiratet noch im letzten Moment. In solchen Fällen werden die Behörden aufmerksam. So laufen oft auch Scheinehen ab. Um gar nicht erst den Verdacht entstehen zu lassen, ist Karim direkt nach der Hochzeit zu Anja gezogen. Ein gemeinsames Schlafzimmer wollen die Behörden sehen. Zwei Zahnbürsten im Bad und unzählige andere Beweise dafür, dass zwei Menschen, die sich auf dem Standesamt das Ja-Wort gegeben haben auch wirklich ihr Leben gemeinsam verbringen. Es darf keine Zweckgemeinschaft sein, damit ein Partner die Aufenthaltserlaubnis bekommt. „Wir haben jetzt noch Angst dass eines Tages ein Beamter vor unserer Tür steht und die Wohnung sehen will“, erzählen beide. Im Moment hält Karim sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. <br />
<br />
Anjas Mutter hat das Paar in ihren Hochzeitsplänen unterstützt. Andere Verwandte haben Anja davor gewarnt einen Marokkaner zu heiraten. Jeder kannte plötzlich eine Ehe zwischen einem Ausländer muslimischer Herkunft und einer Deutschen, die gescheitert war wegen zu großer kultureller Unterschiede. „Meine Oma hat sich sogar ein bisschen geschämt, dass ihre Enkelin einen Schwarzen heiratet“, erzählt Anja. „Jetzt hat sie sich dran gewöhnt, sie musste ja“. <br />
<br />
Die Hochzeit hat an der Beziehung von Karim und Anja nichts geändert. Die Gefühle füreinander ändern sich ja nicht, bloß weil man verheiratet ist, meint Anja. „Aber die ständige Angst vor der Ausweisung ist nicht mehr da.“<br />
]]></description>
<pubDate>Sun, 24 Jun 2007 10:44:15 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<ent:topic ent:href="http://www.blogg.de/?category=liebe" ent:id="liebe">liebe</ent:topic>
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<title>Wie man in Deutschland... ...arbeitslos ist.</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=43</link>
<description><![CDATA[<br />
<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/arbeitslos-heuer.jpg" alt="" /><b>Streitgespräch mit einem arbeitslosen Akademiker<br />
</b><br />
Pflichten sind ätzend, Trott ist trist. So heißt es. Als Du gekündigt hast, haben wir gefeiert und mit Gläsern voller freudig schäumendem Sekt auf die Zukunft angestoßen. Endlich frei! Du hast diesen Job so gehasst und trotzdem fast zwanzig Jahre für den Absprung gebraucht. An diesem Feiertag warst Du 50, ein freier Mann  und voller Pläne. Heute, hunderte Bewerbungen später, bist Du dreiundfünfzig und immer noch frei –  arbeitslos.<br />
 <br /><br /> Es gibt bunte, graue und schwarze Tage. Menschen, die viel zu Hause sitzen, werden schnell depressiv. Du hängst auch oft durch. Kein Wunder. Niemand regelt das Aufstehen für Dich, es gibt kaum mehr etwas, das Du musst. Da ich nicht genug Farbe habe, um die Welt für Dich umzustreichen, sitzen wir heute Abend zusammen an Deinem Küchentisch. Der Plan: Lass uns Pflichten sammeln. Daraus eine Liste basteln, tausend Gründe morgens aus dem Bett zu kommen. Also, legen wir los:<br />
<br />
Du weißt nicht genau, wie ich das meine? Okay, hier mein erster Vorschlag für die Pflichten-Liste: Helena! Okay, jetzt grinst Du. Das sind keine Pflichten, alles was mit Deiner vierjährigen purzeligen Tochter zu tun hat, ist Dein größter Spaß. Pferdchen bauen, Roller flicken, Kaufladen basteln, alles schon geschehen. Dafür lebst Du. Das zählt also nicht als Pflicht, sagst Du. Dabei, wieso eigentlich nicht? Kann Positives nicht verpflichten? Schließlich MUSST Du sie ja alle zwei Wochen abholen, MUSST Dir ein Programm überlegen und zwei Tage als Super-Papa durch den Garten fegen, immer Lenchen hinterher. Ich setzte es jetzt einfach auf die Liste, weil…<br />
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<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/darb.jpg" alt="" />Pssst, sagst Du. Okay, okay, Du bist dran: Das Haus! Ha! Das hätte ich mir denken können, das Haus, was sonst. Ich mag es nicht. Lass mich einbringen: Du wohnst in einem großen, alten Haus. Für viel zu teures Geld gekauft und jetzt ein Buckel in Deinem täglichen Leben. Du sagst selbst: Das Abfallprodukt einer verrückten Ehe. Und lächelst gequält. Wenn das nicht depressiv macht. Also ist hier Vorsicht geboten. Lass uns überlegen. Du beginnst aufzuzählen: Fliesen legen, Wände aufreißen, Elektrokabel neu legen, renovieren, restaurieren…HALT!!!! Hier ist Schluss. Ich weiß, dass Du Dich in diesem Haus verbuddeln könntest, wenn ich Dich nur lasse. Ich schlage vor: Das Wohnzimmer bunt streichen, es ist so duster. Lustige Bilder auf die kackbraunen Fliesen in der Küche kleben…jetzt lachst Du. Du lachst mich aus. Hey, ich habe Angst um Dich. Du erklärst: Das Haus ist nicht nur trist und dunkel, sondern für Dich eine Zukunftsinvestition. Eines Tages kannst Du vielleicht vermieten. Das sehe ich ein. Also auf die Liste damit…<br />
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Jetzt bin ich wieder dran: Ich sage SPORT! Du verdrehst die Augen, aber hey, zweimal die Woche Inliner fahren, was hälst Du davon? Unser Marathon ist gerade mal drei Jahre und einen halbe Bauchgröße her. Das kannst Du wieder schaffen. Keine Begeisterung…gut, Du musst es wissen. Aber Du bist ja schon fleißig: Einmal die Woche gehst Du ins – Tai Chi. Du erzählst mir davon und machst lustige Figuren mit Armen und Beinen. Jetzt muss ich lachen, aber bleib bloß dabei, das sieht zwar seltsam aus, aber es tut Dir offensichtlich gut. Du setzt Dich wieder und sagst plötzlich: Ich traue mich kaum, mir Zeit für den Sport zu nehmen. Wieso, das verstehe ich nicht, Du hast doch Zeit? Eben, sagst Du. Und ständig empfindest Du den Druck etwas „Sinnvolles“ zu tun, nicht abzuschalten, einen Job zu finden. Ohne zu müssen denkst Du den ganzen Tag: Ich muss, ich muss, ich muss müssen. Ein Arbeitsloser mit Angst vor Freizeit.<br />
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Du bist wieder dran, Du willst weitermachen: Der Garten! Damit reißt Du mich aus dem Grübeln über Deine letzten Sätze. Der Garten ist prima. Du bist für Gemüse anbauen. Klasse, das kannst Du dann im Herbst gleich ernten. Eine Pflicht mit Folgepflicht. Den Rasen mähen, damit Klein-Helena ihre Spielsachen wiederfindet. Mir fällt auch was ein: Hängematte aufhängen, ich liebe diese riesige alte Matte und kann sonst keine Überschläge mit der Kleinen üben. Wie wird sie dann ein guter Seefahrer? Du: Die Gartenmöbel neu streichen, sonst gibt’s Splitter. Ich: Den Sonnenschirm ausschütteln, sonst kommt beim ersten Aufspannen wieder so ein Haufen Insekten runter. Wir lachen. Und: Blumen pflanzen, die haben keinen Effekt, sehen aber fröhlich aus.<br />
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Mein nächster Punkt: Die Abende, alleine. Du gehst viel aus, Jazz-Konzerte gegen die Leere an einem Samstagabend. Und zu Hause? Du kannst doch wieder ein bisschen übersetzen, zum Zeitvertreib und um in Übung zu bleiben. Oder Kochbücher mit Deinen tollen Rezepten schreiben. Keiner kocht so gut wie Du. Hörst Du denn noch immer die Midnight Oil CD und springst dazu ein bisschen durchs Zimmer? Ich würde es mir wünschen, auch wenn ich Midnight Oil nie leiden konnte. Lass uns heute noch mal die alte Kassette auspacken! Welche Kassette? Na, die schreckliche, mit der Du mich den ganzen Frankreichurlaub gequält hast. Ah ja, jetzt erinnerst Du Dich.<br />
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Doch plötzlich schaust Du ernst. Deine Bewerbungen. Hmmm…Jeden Tag nach Jobs gucken ist nun wirklich Pflicht, da kann ich gar nichts sagen. Du sagst, Du bewirbst Dich oft um Jobs, von denen Du schon weißt, dass Du sie nie bekommst. Einfach um Dich zu bewerben und keinen Leerlauf zu spüren. Auch wenn es enttäuscht. Jetzt erzählst Du mir von Resozialisierungsmaßnahmen, in die sie Dich stecken wollen. Ich könnte schreien. Du studierter Mensch sollst Dir von diesen Arbeitsamt-Idioten anhören, wie man sich im gesellschaftlichen Umfeld zu verhalten hat? Alter ist kein Thema in ihren vielen Paragraphen. Du gehörst für sie zu den nahezu hoffnungslosen Fällen der „Akademiker-Vermittlung“. Mir ist schlecht. Lass uns an dieser Stelle lieber Gedanken über die Selbständigkeit machen: Was kannst Du, was willst Du, wie kann es gehen?<br />
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So machen wir noch Stunden weiter. Das Ergebnis nach einem Abend mit viel Lachen und viel Streit ist eine lange, lange Liste zum Festhalten. Und jetzt soll noch mal einer sagen, Du hättest keinen ausgefüllten Arbeitstag. Irgendwie ist es zu überbrücken. Ruf mich an. Du kannst niemals sinnlos sein.<br />
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<pubDate>Sat, 23 Jun 2007 16:17:09 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland... ...Kinder erzieht</title>
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<description><![CDATA[<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/a13g.jpg" alt="" />Ich denke, dass ich Glück hatte mit meiner Erziehung. Meine Eltern haben sich immer genug Zeit für mich genommen. Sie haben mich bei meinen Hobbys unterstützt, sind zu meinen Fußballspielen mitgefahren und haben mir alle Bücher gekauft, die ich lesen wollte. Sie haben mir genug Taschengeld gegeben, aber auch nicht zu viel. Sie haben immer brav die Tagesschau eingeschaltet und die Tageszeitung lag immer auf dem Esstisch. Auf meinen Spielzeugkisten klebten Sticker gegen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pershing_II">Pershing II Cruise Missiles</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Atomkraft">Atomkraft </a>und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Volksz%C3%A4hlung">Volkszählung</a>. Kurz: Ich hatte die Chance meine Talente zu entdecken und zu einem politisch mündigen Bürger heranzuwachsen.<br />
In letzter Zeit aber befallen mich Zweifel.<i></i> <br /><br /> Reicht das? Habe ich wirklich alles mitbekommen, was man braucht? Der Grund für diese Zweifel ist die Nichte meiner Freundin. Alina ist zwar erst ein Jahr alt und daher noch soooo süß. Aber dieses Hutzi-Putzi-Stadium wird vorübergehen. Und dann? Dann wird sie groß werden, vielleicht größer als ich und wahrscheinlich mächtiger als ich. Denn ihre Eltern erziehen sie mit ebenso viel Eifer, wie das meine Eltern getan haben. Und dafür nutzen sie die neuesten Technologien. Ich bekam meinen ersten Computer mit 14. Ich musste meinen Eltern beibringen, wie der funktioniert, ohne dass ich selbst groß Ahnung gehabt hätte (was sich bis heute nicht gravierend geändert hat). Alina hingegen wächst in einem Haus auf, in dem es gleich mehrere Laptops gibt. Notebooks sind für sie so selbstverständlich wie die Muttermilch. Selbstständig bedienen kann sie sie noch nicht, aber selbstständig kommunizieren über Skype oder MSN Messenger, das kann sie schon. Schon bald werden ihre Eltern Alina in die Weiten des Internets lossurfen lassen. Sie wird chatten, bloggen, Wissen anhäufen und eine Second Life-Existenz aufbauen, in der sie das Erwachsenensein schon mal durchspielen kann. Die Eltern werden diesen Prozess stützend begleiten und aufpassen, dass sie keine Killerspiele spielt. <BR><BR><br />
<img style="float: left; margin-right: 4px;" src="http://data.blogg.de/1101567/images/new-2.jpg" alt="" /><i>(Alina mit Handy)</i><BR><BR>Zu allem Überfluss wächst Alina auch noch zweisprachig auf. Während ich jede Menge Türkischkurse besuchen muss, um die ganzen „Ü“s und „Ö“s wenigstens einigermaßen fehlerfrei herauszustottern, lernt Alina die Sprache wie von selbst. Mithilfe von Büchern, CDs und Schlafliedern fördern die Eltern diese Sprachkompetenz. Schon in der Grundschule wird sie Englisch lernen, Japanisch oder Chinesisch wahrscheinlich per Online-Tutorium. Wenn sie die Schule beendet, wird sie mir weit überlegen sein und ich ein alter zurückgebliebener Mensch. <br />
Wie viel schlauer als ich werden wohl meine eigenen Kinder sein…?<br />
<br />
<i>Daniel</i>]]></description>
<pubDate>Thu, 21 Jun 2007 12:40:59 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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<title>Wie man in Deutschland ... befreundet ist</title>
<link>http://vondenaltengelernt.blogg.de/eintrag.php?id=40</link>
<description><![CDATA[Wenn es sein muss, könnte ich ohne Handy, ohne Fernseher und sogar ohne Männer leben. Aber nicht ohne meine beste Freundin.  <br /><br /> Ohne dich macht alles nur halb so viel Spaß. Eigentlich wollte ich dich gestern anrufen, weil ich Outfit-Beratung für mein Date gebraucht hätte. Aber seit ich weggezogen bin, hab ich so viele neue Klamotten gekauft, dass du dir die Optionen gar nicht mehr alle vorstellen kannst. Früher konnte ich dich immer und überall anrufen, und du hattest meinen kompletten Kleiderschrank im Kopf. Manchmal vermiss ich dich so sehr, dass es weh tut. Wenn in der Disco „I came for you“ oder „Kiss“ läuft und keiner mit mir abspackt. Wenn ich ohne dich „Desperate Housewives“ schauen muss. Und wenn keiner mit mir Kinderkassetten zum Einschlafen hört.<br />
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Früher war alles so einfach. Erst Pferdchen spielen, später Flaschendrehen. Früher, bevor fiese Institutionen wie die ZVS Macht über unser Leben bekamen und uns einfach so einen Strich durch die Rechnung machten. Jetzt muss ich mich nicht mehr für fünf Minuten auf mein schickes Fahrrad, sondern drei Stunden in einen stickigen Zug setzen, um zu dir zu kommen. <br />
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Ich vermisse dich. Weil du an meinem „Hallo“ erkennst, wie es mir geht. Weil du Tag und Nacht für mich da bist. Weil du weißt, wann mein Selbstbewusstsein dringend angeflunkert werden muss. Weil du mir die Wahrheit sagst, wenn sich sonst keiner traut. Und weil du die Einzige bist, der ich das nicht übel nehme. Auch wenn es mir schwer fiele, zur Not könnte ich ohne Handy, Fernseher und sogar ohne Männer leben. Aber nicht ohne meine beste Freundin. Weil dann auch alles andere kein Spaß mehr machte. Wenn was tolles passiert, freu ich mich manchmal mehr darauf, dir davon zu erzählen, als über die Sache an sich. <br />
<br />
Solange ich dich habe, ist alles Schlimme nur halb so schlimm und alles Tolle doppelt so toll. Weil du mir die Hälfte meines Kummers abnimmst und dich mit mir freust. Ich weiß nicht, wie oft wir beide heulend zusammen auf dem Bett gesessen haben. Wegen Typen, die einfach nicht geblickt haben, wie toll wir sind. Wegen Eltern, die einfach nicht geblickt haben, dass diese Party ein absolutes Muss ist. Wegen Lehrern, die einfach nicht geblickt haben, dass unser Lösungsweg zwar anders, aber dennoch richtig war. Bei traurigen Filmen, bei traurigen Soaps, bei traurigen Liedern und manchmal sogar, weil wir echte Probleme hatten.<br />
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Ich hab nicht mitgezählt, aber viel wichtiger ist ja auch, dass wir für jedes Mal Weinen mindestens 100 Mal miteinander gelacht haben. Dass du mich auch dann zum Lachen bringst, wenn mir nach Weinen zu Mute ist. Dass du mit mir die Tanzfläche stürmst, wenn da sonst noch keiner ist. Dass du, auch wenn wir uns vor zehn Minuten gestritten haben, jedem ins Gesicht springst, der es wagt, was Böses über mich zu sagen. Dass du auch mit meinem neuen Freund redest, wenn du ihn auf den Tod nicht ausstehen kannst. Dass dir und meinem Papa eh niemand gut genug für mich ist. Und dass wir beide sofort heiraten würden, wenn eine von uns ein Mann wäre. <br />
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Dir hab ich zu verdanken, dass ich immer weiß, wo ich hingehöre. Neben dich auf die Schulbank, neben dich an die Bar, um dich kreisend auf die Tanzfläche, neben dich auf die Couch vorm Fernseher. Mein Kopf an deine Schulter im Nachtbus, mein Pferd vor deines beim Wettreiten, mein Handtuch neben deines am Strand. Rechte Seite vom Schlepplift, weil ich auf dem Board das rechte und du das linke Bein vorne hast. Hintere Seite des Bettes, weil ich lieber an der Wand schlafe.<br />
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Ich mach jetzt die Augen zu und wünsch mir ganz fest, dass du neben mir bist, wenn ich sie wieder aufmache. Und nur für den Fall, dass es nicht funktionieren sollte und ich dein Gesicht nicht sehe, wenn ich nach links und rechts schaue, dann ruf ich dich wenigstens an.<br />
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<pubDate>Thu, 21 Jun 2007 11:41:17 +0200</pubDate>
<dc:creator>KS_2006</dc:creator>
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